Meine Rezension: Estrangement – In Mitra Medusa Inri

 

Ich habe mir Estrangement von In Mitra Medusa Inri jetzt mehrfach angehört – und mein erster Eindruck hat sich ziemlich bestätigt: Das ist keine EP, die sofort zündet, sondern eine, die sich langsam festsetzt.

Mein Eindruck vom Sound

Was mir direkt aufgefallen ist: Die Band bleibt ihrem Stil treu. Diese typischen schwebenden Gitarren, die kühlen Synths und diese leicht distanzierte, melancholische Stimmung sind sofort da.

Gleichzeitig passiert hier weniger Abwechslung als vielleicht erwartet. Die Tracks gehen fast nahtlos ineinander über, was ich einerseits stark finde, weil es wie ein zusammenhängendes Werk wirkt – andererseits fehlen mir dadurch manchmal klare Höhepunkte.

Trotzdem: Dieser leichte Post-Punk-Groove ist immer noch da. Es ist nicht komplett unnahbar – eher so, dass man sich langsam reinziehen lässt.

Wirkung & Gefühl

Für mich dreht sich die EP komplett um dieses Gefühl von Entfremdung. Nicht laut oder dramatisch, sondern eher unterschwellig.

Ich hatte beim Hören oft das Gefühl, dass sich alles ein bisschen verschoben hat, ohne dass man genau sagen kann, was eigentlich anders ist. Genau das macht für mich auch den Reiz aus – aber es ist definitiv nichts für nebenbei.

Was ich gut finde – und was weniger

Was für mich funktioniert:

  • die extrem dichte, fast schon durchgehende Atmosphäre
  • ein klarer roter Faden ohne Ausreißer
  • der Sound wirkt hochwertig, aber nicht zu glatt

Was mir fehlt:

  • mehr Dynamik oder Kontraste
  • einzelne Songs, die wirklich herausstechen
  • stellenweise wirkt es auf mich etwas zu gleichförmig

Mein Fazit

Für mich ist Estrangement eine EP, die man sich bewusst anhören muss. Wenn ich sie nebenbei laufen lasse, passiert ehrlich gesagt nicht viel. Aber wenn ich mich darauf einlasse, entfaltet sie eine ziemlich starke Wirkung.

Ich würde sagen: weniger zugänglich, dafür intensiver. Keine Hitsammlung, sondern eher ein geschlossenes Stimmungsbild.

👉 Meine Bewertung: 8/10
Nicht leicht zugänglich – aber genau das macht sie am Ende interessant.

 


 

Vergleich: Estrangement vs. frühere Releases von In Mitra Medusa Inri

Ich finde, Estrangement wirkt im Kontext der bisherigen Diskografie von In Mitra Medusa Inri wie ein ziemlich klarer Entwicklungsschritt – aber keiner, der alles umwirft. Eher eine Verdichtung dessen, was schon angelegt war.

Im Vergleich zu Second Life (2024)

Der direkteste Vergleich ist natürlich zum Comeback-Album Second Life.

  • Second Life wirkt auf mich deutlich offener und abwechslungsreicher – mit mehr einzelnen Songs, die auch für sich stehen können.
  • Estrangement dagegen zieht sich viel stärker als ein durchgehender Fluss durch seine fünf Tracks. (MusicBrainz)

Ich habe das Gefühl, dass die Band hier bewusster reduziert:
Weniger „Songwriting im klassischen Sinne“, mehr Fokus auf Stimmung und Zusammenhalt.

👉 Für mich ist Estrangement damit wie die introvertierte Schwester von Second Life: weniger greifbar, aber emotional dichter.

Im Vergleich zur frühen Phase (Dreams, Darkness Between Us, etc.)

Wenn man noch weiter zurückgeht – etwa zu Dreams (2002) oder Darkness Between Us (2003) – fällt der Unterschied noch stärker auf.

  • Früher klang die Band für mich roher, direkter und teilweise auch melodischer im klassischen Gothic-Sinn
  • Die Songs hatten oft klarere Strukturen und mehr einzelne Hooks
  • Gleichzeitig war da schon diese typische Mischung aus Melancholie und Gitarren + Elektronik angelegt (Wikipedia)

Heute – auf Estrangement – ist das alles:

  • glatter produziert
  • stärker atmosphärisch gedacht
  • weniger auf einzelne Momente, mehr auf Gesamtwirkung

Ich würde sagen: Früher → „Songs mit Stimmung“
Heute → „Stimmung als Gesamtwerk“

Entwicklung seit dem Comeback (ab 2021/2023)

Auch die neueren Singles wie Shadows oder Broken Dreams haben schon angedeutet, wohin es geht:

  • mehr Post-Punk-Einflüsse
  • mehr Fokus auf Flow statt Struktur
  • melancholisch, aber trotzdem leicht tanzbar (Orkus1.com)

Estrangement treibt das für mich am weitesten:
Es ist fast schon konsequent monochrom – weniger Kontraste, dafür mehr Tiefe.

Mein Gesamtvergleich

Wenn ich die Entwicklung ganz grob zusammenfasse:

  • Früher (2000er): direkter, songorientierter Darkwave
  • Second Life (2024): modernes Comeback mit Balance aus Struktur & Atmosphäre
  • Estrangement (2026): maximale Verdichtung, fast schon ein einziger Zustand

Fazit (mein Eindruck)

Für mich ist Estrangement kein Rückblick, sondern eher ein „Weiterdenken“ des Sounds.

Es hat weniger von dem, was die alten Sachen sofort zugänglich gemacht hat – aber dafür mehr von dem, was die Band heute interessant macht.

Wenn ich ehrlich bin:
Ich würde Second Life eher jemandem empfehlen, der neu einsteigt.

Aber Estrangement ist für mich das spannendere Release, weil es zeigt, wo die Band gerade wirklich hin will.