iamnoone
Zwischen Dunkelheit, Melancholie und elektronischen Schatten
Manchmal braucht es nicht viel, um eine bestimmte Stimmung zu erzeugen. Ein Basslauf, ein kalter Synthesizer, eine Stimme und ein wenig Raum dazwischen können bereits reichen. Genau hier setzt iamnoone an.

Das italienische Projekt von Philippe Marlat und Stephan Seth bewegt sich irgendwo zwischen Darkwave, Cold Wave, Minimal Wave und Post-Punk. Doch iamnoone einfach nur einem dieser Genres zuzuordnen, würde der Musik nicht wirklich gerecht werden. Dafür gibt es zu viele unterschiedliche Facetten und vor allem eine sehr eigene Atmosphäre.
Was sofort auffällt, ist diese kühle, beinahe nächtliche Stimmung. Die Songs wirken reduziert, aber niemals leer. Im Gegenteil: Gerade dort, wo andere Produktionen vielleicht noch eine weitere Spur, einen zusätzlichen Effekt oder einen größeren Sound einsetzen würden, lässt iamnoone den einzelnen Elementen Raum. Bass, Synthesizer, Gitarren und Schlagzeug greifen ineinander und erzeugen einen Sound, der sich langsam entfaltet.
Und genau darin liegt für mich ein großer Reiz dieses Projekts.
iamnoone macht Musik, die nicht unbedingt sofort alles preisgibt. Man muss ihr ein wenig Zeit geben. Je länger man zuhört, desto mehr Details tauchen auf. Aus einer zunächst zurückhaltenden Komposition entsteht eine immer dichtere Atmosphäre.
Dabei ist die Musik keineswegs nur kalt oder distanziert. Unter der Oberfläche steckt viel Emotion. Einsamkeit, Erinnerungen, Vergänglichkeit, Sehnsucht und die Auseinandersetzung mit den eigenen Schatten sind Themen, die immer wieder auftauchen. Es geht um die dunklen Seiten des Lebens, aber nicht ausschließlich um Verzweiflung.
Denn zwischen all dieser Melancholie findet sich immer wieder etwas, das nach Hoffnung klingt.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem iamnoone besonders interessant wird. Die Dunkelheit wird nicht romantisiert und auch nicht künstlich dramatisiert. Sie gehört einfach dazu. So wie Erinnerungen dazugehören. So wie Verlust dazugehört. Und genauso wie der Versuch, irgendwann wieder einen Weg aus dieser Dunkelheit zu finden.
Auch der Name iamnoone passt zu dieser Haltung. „I am no one“ kann nach Bedeutungslosigkeit klingen. Gleichzeitig steckt darin etwas Befreiendes. Wer muss man sein, wenn es nicht darum geht, jemand Bestimmtes zu sein? Vielleicht geht es vielmehr darum, das eigene Ego zurückzunehmen und der Musik den Raum zu geben.
Musikalisch sind die Verbindungen zur klassischen Wave-Szene deutlich zu spüren. Die Kälte des Cold Wave trifft auf die Atmosphäre des Darkwave, während der Post-Punk immer wieder für Bewegung sorgt. Dazu kommen elektronische Elemente, die dem Ganzen eine moderne Note geben.
Trotz dieser Einflüsse klingt iamnoone nicht wie eine nostalgische Reise in die Vergangenheit.
Das Projekt nimmt die Ästhetik der frühen Wave-Jahre auf, macht daraus aber etwas Eigenes. Genau deshalb funktioniert die Musik auch heute. Sie erinnert an die Wurzeln der Szene, ohne darin stecken zu bleiben.
Besonders schön zeigt sich diese Seite auf „Dead Season“. Das Album trägt eine Schwere in sich, die man nicht einfach wegwischen kann. Gleichzeitig bleibt es musikalisch offen genug, um nicht in dieser Schwere zu versinken. Stücke wie „Pieces“, „The Need“, „Empty Hours“ oder „The Sun Won't Shine“ bewegen sich genau in diesem Spannungsfeld.
Später kamen weitere Veröffentlichungen hinzu, darunter „besides“, „iamnoone's shadow“, „The Joy of Sorrow“ und „Melancholia“. Dabei zeigt sich, dass iamnoone nicht versucht, immer wieder denselben Song zu schreiben. Die musikalische Sprache bleibt erkennbar, verändert aber ihre Nuancen.
„Melancholia“ ist dabei schon durch seinen Titel ein ziemlich gutes Beispiel für das, was iamnoone ausmacht. Melancholie kann schmerzhaft sein. Sie kann aber auch etwas Schönes besitzen. Sie kann Erinnerungen zurückbringen, die längst vergangen sind, und gleichzeitig zeigen, wie sehr uns bestimmte Momente geprägt haben.
Genau solche Zwischenräume interessieren iamnoone.
Die Musik funktioniert deshalb besonders gut spät am Abend oder in der Nacht. Nicht unbedingt als Hintergrundmusik für eine Party, sondern für die Momente danach. Wenn es ruhiger wird, wenn die Gedanken lauter werden und man plötzlich wieder über Dinge nachdenkt, die tagsüber keinen Platz hatten.
Natürlich kann iamnoone auch auf einem dunklen Dancefloor funktionieren. Die Rhythmen sind vorhanden, die elektronischen Elemente ebenso. Aber für mich liegt die eigentliche Stärke des Projekts woanders: in der Atmosphäre.
iamnoone ist Musik, die sich nicht aufdrängt.
Sie wartet.
Und wenn man sich darauf einlässt, öffnet sich eine dunkle, melancholische Klangwelt, in der Kälte und Wärme, Einsamkeit und Hoffnung erstaunlich nah beieinanderliegen.
Für die Darkwave- und Gothic-Szene ist iamnoone deshalb eine interessante Entdeckung. Nicht, weil das Projekt versucht, möglichst spektakulär zu wirken, sondern gerade weil es auf die leiseren Dinge setzt. Auf Atmosphäre. Auf Gefühle. Auf die kleinen Details.
iamnoone ist keine Musik, die die Dunkelheit vertreiben möchte. Sie zeigt, dass man manchmal auch in ihr etwas finden kann.
Facebook:
https://www.facebook.com/iamn8ne
Youtube
COLD TRANSMISSION MUSIC
Bandcamp:
https://iamnoone1.bandcamp.com/music
Instagram:
https://www.instagram.com/iamnoone_official
Soundcloud:
https://soundcloud.com/user-433468576
iamnoone
Between Darkness, Melancholy and Electronic Shadows
Sometimes it doesn't take much to create a certain atmosphere. A bassline, a cold synthesizer, a voice and a little space between the sounds can already be enough. This is where iamnoone comes in.
The Italian project of Philippe Marlat and Stephan Seth moves somewhere between Darkwave, Cold Wave, Minimal Wave and Post-Punk. But simply assigning iamnoone to one of these genres would not really do the music justice. There are too many different facets and, above all, a very distinctive atmosphere running through their work.
What immediately stands out is that cold, almost nocturnal feeling. The songs sound reduced, but never empty. Quite the opposite. Where other productions might add another layer, another effect or a bigger sound, iamnoone gives each element room to breathe. Bass, synthesizers, guitars and drums come together to create a sound that gradually unfolds.
And for me, that is one of the great attractions of this project.
iamnoone makes music that does not necessarily reveal everything at first listen. You have to give it a little time. The longer you listen, the more details begin to appear. What initially sounds restrained slowly develops into a much denser atmosphere.
Yet the music is never simply cold or distant. There is a lot of emotion beneath the surface. Loneliness, memories, mortality, longing and the confrontation with one's own shadows are recurring themes. The music deals with the darker sides of life, but it is not exclusively about despair.
Because somewhere within all that melancholy, there is always something that sounds like hope.
Perhaps this is exactly what makes iamnoone so interesting. Darkness is neither romanticized nor artificially dramatized. It is simply there. Just like memories are there. Just like loss is part of life. And just like the attempt to eventually find a way out of that darkness.
Even the name iamnoone fits this attitude remarkably well. “I am no one” can sound like insignificance. At the same time, there is something liberating about it. Who do you have to be when the point is not to become someone specific? Perhaps it is more about stepping back from the ego and giving the music space to speak for itself.
Musically, the connection to the classic Wave scene is obvious. The coldness of Cold Wave meets the atmosphere of Darkwave, while Post-Punk repeatedly provides movement. Electronic elements add a more contemporary dimension.
Despite these influences, iamnoone never sounds like a nostalgic trip into the past.
The project takes the aesthetics of the early Wave years and turns them into something of its own. That is exactly why the music works today. It remembers the roots of the scene without becoming trapped in them.
This side of iamnoone can be heard particularly well on “Dead Season.” The album carries a certain heaviness that cannot simply be brushed aside. At the same time, it remains open enough musically not to become lost in that darkness. Tracks such as “Pieces,” “The Need,” “Empty Hours” and “The Sun Won't Shine” exist somewhere within this tension.
Further releases followed, including “besides,” “iamnoone's shadow,” “The Joy of Sorrow” and “Melancholia.” They show that iamnoone is not interested in simply writing the same song over and over again. The musical language remains recognizable, but its nuances continue to change.
“Melancholia” is already a pretty good example of what iamnoone is about simply by its title. Melancholy can be painful. But it can also contain something beautiful. It can bring back memories that have long since passed while showing us how deeply certain moments have shaped us.
These are the spaces iamnoone seems particularly interested in.
The music works especially well late in the evening or during the night. Not necessarily as background music for a party, but for those moments afterwards. When everything becomes quieter, when your thoughts become louder, and you suddenly start thinking about things that had no place during the day.
Of course, iamnoone can also work on a dark dancefloor. The rhythms are there, as are the electronic elements. But for me, the real strength of the project lies somewhere else: in the atmosphere.
iamnoone is music that doesn't force itself upon you.
It waits.
And when you allow yourself to get involved, a dark and melancholic soundscape opens up, where coldness and warmth, loneliness and hope are surprisingly close to one another.
For the Darkwave and Gothic scene, iamnoone is therefore an interesting discovery. Not because the project tries to be as spectacular as possible, but precisely because it focuses on the quieter things. Atmosphere. Emotion. The small details.
iamnoone is not music that wants to drive the darkness away. It shows that sometimes, you can find something within it.