Videotraum

Zwischen Hafen, Wald und kalter Nacht

Manchmal passt der Ort, aus dem eine Band kommt, erstaunlich gut zu ihrer Musik. Bei Videotraum ist das für mich definitiv der Fall.

videotraum

Hamburg, Regen, Hafen, grauer Himmel, kalte Nächte – und irgendwo dazwischen dieser Moment, wenn die Stadt langsam leiser wird und trotzdem niemals wirklich still ist.

Videotraum kommen aus Hamburg und bewegen sich zwischen Darkwave, Coldwave, Post-Punk und Neue Neue Deutsche Welle. Dahinter stehen Jo und Misael, die aus elektronischen Sounds, deutschen Texten und einer ziemlich eigenen Mischung aus Melancholie und Tanzbarkeit ihren ganz persönlichen Videotraum bauen.

Und genau das gefällt mir.

Denn Videotraum klingt nicht nach dem Versuch, irgendeinen alten 80er-Jahre-Sound möglichst originalgetreu wiederzubeleben. Natürlich sind die Einflüsse da. New Wave, Coldwave, Minimal Wave, Post-Punk – alles hörbar. Aber daraus entsteht etwas Eigenes.

Etwas Hamburgerisches.

Die Musik hat diese kalte elektronische Oberfläche, darunter liegen aber immer Gefühle. Sehnsucht, Schmerz, Einsamkeit, Liebe, Erinnerungen. Es ist nicht einfach nur Musik für den dunklen Dancefloor. Es ist Musik, bei der der Dancefloor genauso gut zum Nachdenken geeignet ist.

„Ritual“ bringt diese Seite ziemlich gut auf den Punkt. „Wir sind Tiere der Stadt“ – mehr Hamburg geht eigentlich kaum. Zwischen Stadt und Wald, zwischen Bewegung und Rückzug entsteht dieses Gefühl, nachts einfach loszugehen, ohne genau zu wissen, wo man eigentlich hinwill.

Dann ist da „Du & Ich“ – wesentlich romantischer, fast träumerisch. Ein Lied über Nacht, Nähe, Sterne und diesen kleinen Moment, in dem die Welt für einen Augenblick nur aus zwei Menschen besteht.

Und genau diese Gegensätze machen Videotraum interessant.

Auf der einen Seite die kalte Stadt.

Auf der anderen Seite Natur, Liebe und Sehnsucht.

Auf der einen Seite elektronische Beats.

Auf der anderen Seite diese manchmal fast fragile Melancholie.

Das Album „Ebbe // Flut“ bringt diese Idee wahrscheinlich am deutlichsten zusammen. Inspiriert von Hamburg, der langen Hafengeschichte der Stadt, dem Nieselregen, den Wäldern und den unterschiedlichen Gesichtern der Straßen, geht es um genau dieses Wechselspiel: Licht und Schatten, Nähe und Distanz, Bewegung und Stillstand.

Und dann gibt es Songs wie „Vermissen“, die deutlich tiefer gehen. Erinnerung, Verlust, Unsicherheit und Traurigkeit werden hier nicht versteckt, sondern direkt ausgesprochen.

Für mich ist das eine der Stärken von Videotraum.

Die Musik versucht nicht, besonders böse oder besonders düster zu wirken.

Sie ist einfach dunkel.

Und vielleicht gerade deshalb glaubwürdig.

Auch außerhalb Hamburgs findet diese Mischung ihren Platz. Videotraum war unter anderem gemeinsam mit Selofan im Hafenklang zu sehen – genau dort, wo Coldwave, Darkwave und Post-Punk ohnehin zuhause sind.

2023 erschien „Ebbe // Flut“ über Young & Cold Records auf digital, CD und Vinyl. Dazu kamen weitere Veröffentlichungen wie „Moonless“ und später der Remix von „Vermissen“ durch Dunkelwald & SARCOMA.

Was mir bei Videotraum besonders gefällt, ist diese Mischung aus persönlicher Dunkelheit und einem sehr konkreten Ort.

Das könnte irgendwo sein.

Aber irgendwie hört man trotzdem Hamburg:
Den Hafen.
Den Regen.
Die kalte Luft.
Die Straßen spät in der Nacht.

Und vielleicht auch diesen ganz eigenen Hamburger Blick auf die Dunkelheit: nicht pathetisch, nicht übertrieben romantisch, sondern ein bisschen rau, ein bisschen melancholisch und trotzdem tanzbar.

Für mich ist Videotraum deshalb mehr als einfach noch ein Darkwave-Projekt.

Es ist Musik, die nach einer Stadt klingt.

Nach einer Stadt, die niemals ganz schläft.

Einstieg

Ich würde mit „Ebbe // Flut“ anfangen. Danach „Ritual“, „Vermissen“, „Du & Ich“ und „Moonless“ hören.

Am besten natürlich nachts.
Mit Regen vor dem Fenster.
Und Hamburg irgendwo da draußen.

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Bandcamp:
https://videotraum.bandcamp.com/


 

 


Videotraum

Between the harbour, the forest and the cold night

Sometimes the place a band comes from fits its music surprisingly well.

With Videotraum, I definitely get that feeling.

Hamburg, rain, the harbour, grey skies, cold nights — and somewhere in between, that moment when the city slowly becomes quieter without ever really falling silent.

Videotraum come from Hamburg and move somewhere between Darkwave, Coldwave, Post-Punk and Neue Neue Deutsche Welle. Jo and Misael build their own version of this Videotraum from electronic sounds, German lyrics and a very personal mixture of melancholy and danceability.

And I like that.

Because Videotraum don't sound like they are trying to recreate some perfect 1980s sound. Of course, the influences are there. New Wave, Coldwave, Minimal Wave, Post-Punk — you can hear them. But they are used as ingredients rather than as a blueprint.

The result feels distinctly Hamburg.

There is that cold electronic surface, but underneath it there are always emotions. Longing, pain, loneliness, love and memories. This isn't simply music for a dark dancefloor. It is music where the dancefloor can just as easily become a place to think.

“Ritual” captures that side particularly well. The idea of being creatures of the city, somewhere between urban life and the forest, movement and retreat, feels almost made for Hamburg. That feeling of walking through the city at night without really knowing where you are going.

Then there is “Du & Ich”, which is much more romantic and almost dreamlike. A song about night, closeness, stars and that brief moment when the rest of the world seems to disappear and there are only two people left.

And that contrast is what makes Videotraum interesting to me.

On one side, the cold city.

On the other, nature, love and longing.

Electronic beats on one side.

Fragile melancholy on the other.

The album “Ebbe // Flut” brings these ideas together particularly well. Inspired by Hamburg, its harbour, the city's history, its rain, forests and different faces, the album revolves around contrasts — light and shadow, closeness and distance, movement and stillness.

And then there are tracks like “Vermissen,” which go much deeper. Memories, loss, uncertainty and sadness are not hidden away here. They are simply allowed to exist.

That is one of Videotraum's strengths for me.

The music isn't trying to be especially evil.

It isn't trying too hard to be dark.

It simply is dark.

And perhaps that is exactly why it feels genuine.

Videotraum have also found their place beyond Hamburg, including a show with Selofan at Hafenklang — a pretty fitting setting for music that sits somewhere between Coldwave, Darkwave and Post-Punk.

Their album “Ebbe // Flut” was released in 2023 through Young & Cold Records on digital, CD and vinyl. Since then, further material such as “Moonless” and a remix of “Vermissen” by Dunkelwald & SARCOMA have followed.

What I particularly like about Videotraum is this combination of personal darkness and a very specific sense of place.

The music could exist somewhere else.

But somehow, you can still hear Hamburg.

The harbour.

The rain.

The cold air.

The streets late at night.

And perhaps that very Hamburg way of looking at darkness: not overly dramatic, not desperately romantic, but a little rough, a little melancholic — and still something you can dance to.

For me, Videotraum are therefore more than just another Darkwave project.

They sound like a city.

A city that never really sleeps.

Where to start

I would start with “Ebbe // Flut.” Then give “Ritual,” “Vermissen,” “Du & Ich” and “Moonless” a listen.

Preferably at night.

With rain against the window.

And Hamburg somewhere out there.