Gürel – Sweet Sense of Comfort

Zwischen Istanbul, Paris und dem Versuch, ein Stück Leichtigkeit zurückzubekommen

Mit 25 Jahren ist Gürel von Istanbul nach Paris gezogen, um seinen lang gehegten Traum zu verfolgen: Musik zu machen. Viel mehr braucht es eigentlich gar nicht für eine Geschichte, die sofort nach Nachtfragment klingt. Ein junger Musiker, eine neue Stadt, elektronische Musik und die Frage, was eigentlich mit diesem Gefühl von Sicherheit passiert, das man als Kind einmal ganz selbstverständlich hatte und irgendwann unterwegs verliert.

guerel

Am 25. September erscheint seine zweite Single „Sweet Sense of Comfort“ – ein Dark-Synthpop-Track, der genau diesem Gefühl nachgeht. Nicht nostalgisch im klassischen Sinn, sondern eher aus einer erwachsenen Perspektive heraus: Man erinnert sich daran, wie leicht sich die Welt einmal angefühlt hat, während man gleichzeitig weiß, dass man nicht einfach dorthin zurückkehren kann.

Und genau diese Spannung steckt auch in der Musik.

Von der Distanz zur Wärme

„Sweet Sense of Comfort“ beginnt bewusst distanziert und fast robotisch. Die ersten Momente wirken kühl, zurückgenommen und ein wenig verloren. Es ist die musikalische Entsprechung zu diesem Gefühl, wenn einem die Welt zu viel wird und man sich nach einem Ort sehnt, an dem für einen Moment einfach nichts passieren muss.

Doch der Song bleibt nicht dort.

Im zweiten Teil wird die Musik wärmer und energetischer. Ein treibenderer Charakter entsteht und schließlich taucht sogar ein energiegeladenes Orgelsolo auf. Auch die Texte folgen dieser Bewegung. Aus der anfänglichen Hoffnungslosigkeit entwickelt sich langsam eine Form von Akzeptanz – und die Erkenntnis, dass die Zukunft vielleicht nicht weniger beängstigend wird, man aber lernen kann, nicht ständig Angst vor ihr zu haben.

Das finde ich an dem Konzept interessant: Der Song versucht nicht einfach, die Vergangenheit zurückzuholen. Er akzeptiert vielmehr, dass man erwachsen geworden ist.

Ein bisschen Depeche Mode steckt natürlich darin

Gürel nennt Depeche Mode als seinen größten musikalischen Einfluss. Besonders die Atmosphäre von „Ultra“ und die Eingängigkeit von „Playing the Angel“ sind für ihn wichtige Bezugspunkte.

Das passt durchaus zu dem, was er über „Sweet Sense of Comfort“ beschreibt. Diese Verbindung aus elektronischer Kühle, Melodie, Dunkelheit und emotionaler Direktheit gehört schließlich zu den Dingen, die auch bei Depeche Mode immer wieder funktionieren.

Daneben nennt Gürel Nine Inch Nails, Aphex Twin, David Bowie, Brian Eno und New Order. Damit wird auch deutlich, dass sein musikalischer Horizont nicht ausschließlich innerhalb des klassischen Synthpop liegt. Industrial, elektronische Experimente, Atmosphäre, Sounddesign und Songwriting gehören genauso zu seinem musikalischen Werkzeugkasten.

Und vielleicht ist genau diese Mischung der spannendere Ansatz, als einfach nur einen weiteren Depeche-Mode-inspirierten Synthpop-Act daraus zu machen.

Musik aus dem Kleiderschrank

Eine kleine Geschichte aus der Entstehung von „Sweet Sense of Comfort“ gefällt mir besonders.

Aufgenommen wurde der Song in einem Kleiderschrank.

Gürel und seine Freundin lebten für zwei Monate in einem gerade einmal 12 Quadratmeter großen Airbnb-Zimmer. Irgendwo zwischen improvisiertem Homestudio, Kleidung und sehr wenig Platz entstand dort dieser Track.

Das ist natürlich kein spektakuläres Studio-Märchen. Eigentlich ist es genau das Gegenteil. Und gerade deshalb passt es gut zu einem jungen Musiker, der seine Musik offenbar nicht aus perfekten Bedingungen heraus entwickelt, sondern aus dem, was gerade möglich ist.

Paris, zwölf Quadratmeter, ein Kleiderschrank und ein Song über das Bedürfnis nach Sicherheit. Manchmal braucht es tatsächlich nicht mehr.

Zwischen Istanbul und Paris

Gürels Geschichte beginnt in Istanbul und führt ihn nach Paris. Zwei Städte, die musikalisch und kulturell kaum unterschiedlicher sein könnten, aber beide eine enorme Dichte und Geschichte besitzen.

Dabei geht es bei ihm nicht darum, möglichst groß oder möglichst spektakulär aufzutreten. Seine Musik scheint zunächst viel stärker nach innen gerichtet zu sein. „Sweet Sense of Comfort“ beschäftigt sich mit einem sehr persönlichen Gefühl, das gleichzeitig ziemlich universell ist: dem Wunsch, für einen Moment wieder nicht alles tragen zu müssen.

Das macht den Song für mich interessant. Dunkle Musik muss nicht immer von Verfall, Tod oder völliger Hoffnungslosigkeit erzählen. Manchmal reicht auch die Erkenntnis, dass Erwachsenwerden bedeutet, mit Dingen leben zu lernen, die man früher einfach noch nicht kannte.

Mein Einstieg

„Sweet Sense of Comfort“ ist natürlich der naheliegende Einstieg in Gürels Musik. Nicht nur, weil es seine zweite Single ist, sondern weil der Song ziemlich genau beschreibt, wo er musikalisch gerade steht: Dark Synthpop mit einer elektronischen, leicht kühlen Oberfläche, dahinter aber viel Melodie und eine persönliche Geschichte.

Was daraus noch entsteht, wird interessant zu beobachten sein. Gürel steht noch ziemlich am Anfang seines Weges. Und vielleicht ist genau das der spannende Punkt: Hier versucht gerade jemand, aus Einflüssen, einem neuen Leben in Paris und seinen eigenen Erfahrungen einen Sound zu entwickeln.

Kein fertiger Entwurf. Eher ein Musiker, der gerade anfängt, seine eigene Sprache zu finden.

Gürel sucht nicht die Vergangenheit zurück. Er versucht herauszufinden, wie sich ein bisschen Sicherheit in der Gegenwart anfühlen kann.

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Gürel – Sweet Sense of Comfort

Between Istanbul, Paris and the attempt to find a little bit of lightness again

At 25, Gürel left Istanbul and moved to Paris to pursue something he had wanted for a long time: making music. That alone already sounds like the beginning of a Nachtfragment story. A young musician, a new city, electronic music and the question of what actually happens to that feeling of safety we once took for granted as children, only to somehow lose it along the way.

On September 25, Gürel releases his second single, “Sweet Sense of Comfort” – a dark synthpop track about exactly that feeling. It is not nostalgia in the traditional sense. It is more about looking back at childhood from an adult perspective: remembering a time when the world somehow felt lighter, while knowing that you cannot simply go back there.

And that tension is at the heart of the song.

From distance to warmth

“Sweet Sense of Comfort” begins in a deliberately distant, almost robotic space. The opening feels cold, restrained and slightly lost. It sounds like that moment when the world becomes too heavy and you start craving a place where, just for a moment, you don't have to carry everything.

But the song doesn't stay there.

The second half becomes warmer and more energetic. The momentum changes, the track opens up and eventually an energetic organ solo takes over. The lyrics follow a similar progression. What begins in hopelessness gradually moves towards acceptance – and towards the idea that the future may not become less frightening, but perhaps you can learn not to be constantly afraid of it.

That is what I find interesting about the song. It isn't simply trying to bring the past back. It accepts that you have grown up.

Of course, there is a little Depeche Mode in there

Gürel describes Depeche Mode as his biggest musical influence. In particular, the atmosphere of “Ultra” and the catchiness of “Playing the Angel” have been important reference points for his own music.

That makes sense when you look at what he is trying to do with “Sweet Sense of Comfort”. The combination of electronic coldness, melody, darkness and emotional directness is something Depeche Mode have been exploring in different ways for decades.

But Gürel's influences don't stop there. He also names Nine Inch Nails, Aphex Twin, David Bowie, Brian Eno and New Order. That says quite a bit about the musical space he is working in. This isn't simply about classic synthpop. Industrial music, electronic experimentation, atmosphere, sound design and songwriting all play a part.

And perhaps that combination is more interesting than simply creating another Depeche Mode-inspired synthpop project.

Music made in a wardrobe

There is one little detail about the creation of “Sweet Sense of Comfort” that I particularly like.

The song was recorded in a wardrobe.

Gürel and his girlfriend were staying for two months in a temporary Airbnb room measuring just 12 square metres. Somewhere between improvised studio equipment, clothes and very little space, this track came together.

It isn't some spectacular studio story. Quite the opposite. And that is exactly why it fits.

Sometimes you don't get perfect conditions. Sometimes you just have a tiny room, a wardrobe and an idea that refuses to go away.

Paris, twelve square metres, a wardrobe and a song about wanting to feel safe again. Sometimes that's enough.

Between Istanbul and Paris

Gürel's story begins in Istanbul and continues in Paris. Two cities with very different cultural and musical identities, but both with an enormous sense of history and atmosphere.

What interests me is that his music doesn't seem to be about trying to make the biggest possible statement. “Sweet Sense of Comfort” is much more inward-looking. It takes a very personal feeling and turns it into something that is surprisingly universal: the desire to stop carrying the weight of everything, if only for a moment.

Dark music doesn't always have to be about decay, death or complete hopelessness. Sometimes it can simply be about realizing that growing up means learning to live with things you didn't have to understand as a child.

My way in

“Sweet Sense of Comfort” is obviously the place to start with Gürel. Not only because it is his second single, but because it gives a pretty clear impression of where he is musically right now: dark synthpop with a cool electronic surface, plenty of melody underneath and a very personal story at its centre.

It will be interesting to see where he takes this next. Gürel is still at the beginning of his journey, and perhaps that is exactly what makes it interesting. He is taking his influences, his new life in Paris and his own experiences and trying to turn them into something that belongs to him.

It doesn't feel like a finished blueprint yet. More like a musician beginning to find his own language.

Gürel isn't trying to bring the past back. He is trying to figure out what a little bit of safety can feel like in the present.